MACH1 (M1) FESTIVAL – Montabaur, Klobenz, 23-25.06.2011 (Deutsch)

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Es ist Freitag, der 24.6. 2011 und wir sind auf dem Weg ins gerade einmal 120km entfernte Montabaur im Westerwald, um mit dem Mach1 Festival die diesjährige Festivalsaison einzuläuten. Das Festival wird im Folgenden nur noch als M1 Festival bezeichnet, da es rechtliche Schwierigkeiten mit dem jetzigen Namen gibt. Die Festivalcrew war so gezwungen alle alten Schriftzüge in M1 umzuändern – eine Heidenarbeit!

Während der Zeltplatz bereits gut gefüllt und die Party dort in vollem Gange ist, erreichen wir, kurz bevor die erste Band, THE GRANDTRY die Bühne entert, das Gelände. Leider scheint dieses Mal der Wettergott alles zu sein, aber mit Sicherheit kein Metaller. Das Wetter zeigt sich von seiner ungemütlichen Seite, der Himmel ist in ein herrlich eintöniges Grau getaucht und ab und an regnet´s mehr oder weniger kräftig – Regen gab es in den vergangenen zwei Wochen ja schließlich so wenig… Nun, auch diese Schleusen werden irgendwann geschlossen, so dass sich das Wetter im Laufe des Tages bis auf ein wenig Nieselregen dann doch freundlicher gibt.

Der erste Eindruck vom Gelände ist positiv, alles ist ohne weite Wege zu erreichen (bis auf den Campingplatz) – rechts Merchandisestände, links Essen, von Pizza über asiatisch bis Burger, verschiedene Getränkestände und vorne die beiden großen Bühnen direkt nebeneinander (KIA Power Stage und EMP Stage). Weiter hinten auf dem Gelände, in der Nähe des Eingangs, um Soundüberschneidungen zu minimieren, die kleinere Monster Zelt Stage für Newcomer Bands. Die beiden Hauptbühnen machten das Festival zu einer verdammt entspannten Angelegenheit, denn theoretisch war es möglich, sich einfach in die Mitte zu stellen und sich zur jeweiligen Bühne zu drehen, denn beide wurden abwechselnd bespielt, so dass keine Lücken entstehen (sollten). Das allerdings hatte den Nachteil, dass man bisweilen eher den Soundcheck der jeweils anderen Bühne hörte, als das, was gerade auf der aktuell bespielten Bühne abging.

Adept
Adept

Nach 7 EYED OWL, die irgendwie ein wenig fehl am Platze wirkten, enterten ADEPT die Bühne und so langsam sieht man immer mehr Festivalbesucher zu den Bühnen wandern. Die nämlich haben einen ordentlich Marsch vom Campingplatz zu den Bühnen zurückzulegen. Zurück zu den Schweden, die legten einen sauberen Auftritt hin und schienen sichtlich Spaß an der Sache zu haben. Schließlich war in ihrem Heimatland doch genau an diesem Tag Midsommar und den Tag begeht man dort, wie sie auch erzählten mit ordentlich Alkohol. Bevor allerdings richtig gebechert werden konnte, wurde erst noch das Publikum ordentlich aufgeheizt und die Sonne wagte sogar einen zaghaften Blick zwischen den Wolken hervor, endlich! Einige Circlepits später war der Spaß leider schon vorbei.

BLACKOUT ARGUMENT hatten es danach schon ein wenig schwerer die Massen weiterhin bei Laune zu halten, man präsentierte eine ordentliche Setlist mit Fokus auf den aktuellen Stücken von der neusten Scheibe „Detention“. Auch den Münchener Postcorelern kann man eine saubere Bühnenshow attestieren, auch wenn das Publikum nicht ganz so bereitwillig mitzugehen schien wie noch zuvor. Ganz andere Töne schlugen die nun folgenden AFTER THE BURIAL an, die mit ihrem Deathcore ziemlich brachial zu Werke gingen. Den Gig allerdings verfolgten wir nur aus der Ferne, da irgendwann auch mal der knurrende Magen gefüllt werden wollte und der Abend sollte schließlich noch verdammt lang werden.

Wem das noch nicht genügend Geknüppele gewesen ist, der konnte gleich rüber zur anderen Bühne wandern und sich ordentlich von der nächsten Deathcore Truppe BLEED FROM WITHIN die Ohren durchpusten lassen. Kalt war mittlerweile wohl kaum noch Jemandem und gelegentlicher Nieselregen störte auch nicht mehr wirklich. Während sich eine Menge Fronter an diesem Wochenende als äußerst bewegungsfreudig zeigten, so war Sänger Scott Kennedy anscheinend der akrobatischste von allen. In die Menge springen war scheinbar auf die Dauer einfach zu langweilig, die Bühne offenbar nicht groß genug, so dass man ihn gegen Ende des Sets an der Seite der Bühne hinaufklettern und von dort weitersingen sah. Ein äußerst unterhaltsamer Gig. Genug Death- und Metalcore? Aber Core darf´s trotzdem noch sein? Bitteschön, TERROR waren an der Reihe und servierten eine ordentliche Ladung Hardcore, New-School um genau zu sein und die Kalifornier lieferten ebenfalls ein ordentliches Brett ab. Fronter Scott Vogel sprang wie ein Flummi auf der Bühne umher um die Fans vor der Bühne anzufeuern und das schien zu zünden, zwar war die Menge vor der Bühne recht überschaubar, aber die die dort waren, hatten mit Stücken u.a. vom aktuellen Album „Keepers of Faith“ ihren Spaß.

Suicide Silence
Suicide Silence

Große Verschnaufpausen gab es nicht und deswegen wandern wir gleich wieder nach links zur anderen Bühne, auf der DEEZ NUTS in den Startlöchern standen. Die australische Hardcorefraktion hatten ordentlich Spaß und der sprang zügig auf´s mittlerweile wieder stärker angewachsene Publikum über. Es folgte eine Band, auf die, alleine vom Zustrom ausgehend, eine ganze Menge Leute gewartet hatten. SUICIDE SILENCE bretterten in fieser Deathcore Manier gleich drauflos und Sänger Mitch brüllte sich die Lunge aus dem Leib und tobte über sein Podest, als wäre es sein erklärtes Ziel, dieses bis zum Ende des Gigs komplett zu zerlegen. Vor der Bühne schienen das einige Fans ähnlich zu sehen, denn im Pit ging es richtig rund. Circlepits wurden vom schmächtig wirkenden Sänger gefordert und er bekam sie. Die Menge war mittlerweile so richtig heiß und auch das Wetter schien langsam ein wenig „heißer“ zu werden – naja sagen wir´s einmal so, es regnete zumindest nicht mehr.

EMIL BULLS gabelten die Meute stimmungstechnisch dort auf, wo SUICIDE SILENCE sie nach einem rasenden Gig gelassen hatten und verwandelten die Masse in eine Party. Statt wildem Gedresche gab es nun einen Wechsel von harten Gitarren und beinah schon softem Cleangesang. Ich für meinen Teil hatte die Band über die Jahre ein wenig aus den Augen verloren und muss zugeben, dass ich äußerst positiv überrascht über das war, was hier geboten wurde. Sänger Christoph hatte die Fans jedenfalls schnell in der Hand und der Aufforderung, dass sich doch alle einmal hinknien sollten, um kurz darauf wieder zu springen, kamen (fast) alle bereitwillig nach. Ein tolles Bild!

Black Label Society
Black Label Society

Für das im Durchschnitt doch recht junge Publikum, welches eher im Core, denn im Metal Bereich zu Hause zu sein schien, folgte nun ein ziemlich krasser Bruch. Nicht nur, dass diese Band mehr Jährchen auf dem Buckel hatte, als mehrere der Core-Kapellen zusammen, auch der Stil war unterschiedlicher wie er kaum hätte sein können. Sänger Zakk Wylde startete zu „Crazy Horse“ mit Indianerschmuck in den 90-minütigen Gig und lieferte eine formidable Show ab. Zwar lichteten sich die Reihen ein wenig, aber dennoch war die Stimmung genial. Es wurde schon recht deutlich, dass der Sänger und Gitarrist ein geborener Alleinunterhalter ist und das kostete er beim Höhepunkt der Show voll und ganz aus, als er sein Gitarrensolo spielte. Spielte, ist in diesem Fall vielleicht nicht ganz das passende Wort, er zelebrierte es viel mehr und das mit soviel Hingabe, dass es gegen Ende dann eigentlich schon zu viel des Guten war. 5-minütige Soli sind sicherlich keine Seltenheit, ein wenig mehr geht sicherlich auch, aber knapp 15 Minuten sprengen schon den Geduldsfaden, selbst den eines passionierten Solifans. Ich glaube jeder der Anwesenden wusste wie gut Mr. Wylde sein Instrument beherrscht, aber gegen Ende des Solos ging doch ein merkliches Aufatmen durch die Reiehen, als die gesamte Band endlich wieder zu „Godspeed Hell Bound“ auf den Brettern stand, um den restlichen Gig routiniert fortzuführen.Vier weitere Songs waren übrig und der Abend näherte sich in Windeseile seinem Ende. Die Band verabschiedete sich überschwänglich und damit auch die meisten Besucher Richtung Zeltplatz um entweder wohl verdienten Schlaf zu finden, oder aber wie Viele noch eine ganz Weile, ungeachtet der frostigen Temperaturen, weiterzufeiern.

Samstag, 25.06.2011
Am zweiten Festivaltag zeigt sich das Wetter von seiner schönsten Seite, die Sonne strahlte und… ja… es wäre so schön gewesen. DAS war natürlich nicht der Fall. Es tropfte nach wie vor mal mehr mal weniger stark und das den gesamten Morgen über und mittags. Nach einem kurzen Snack in Montabaur hatte sich die Wolkendecke nicht merklich gelichtet, so dass wir alle Hoffnungen auf Wetterbesserung über Bord warfen uns in unsere Regenjacken waren und gen Bühne stapften. Ähnlich sahen das offenbar erstaunlich Viele – gemessen an der Tageszeit und am Wetter. Die ersten Bands MYRA und HORDAK hatten wir zwar verpasst, aber beinah pünktlich zu den Punk Rockern NOT AVAILABLE waren wir auf dem Gelände angekommen. Ungeachtet des Wetters mühten sie sich redlich für gute Laune zu sorgen.

 

War from a Harlot's Mouth
War from a Harlot’s Mouth

WAR FROM A HARLOTS MOUTH waren die erste Band des zweiten Tages, die sich über einen recht ansehnlichen Zuschauerstrom freuen konnten. Mehrmals hatten sie mich bereits mit energiegeladenen Shows überzeugt und der heutige Auftritt sollte keine Ausnahme darstellen. Die Math/Deathcore Mixture zündete und ungeachtete des leicht schlammigen Bodens wurden hier und da Circlepits angezettelt. Da Fronter Nico der Abstand zum Publikum von der Bühne aus scheinbar viel zu groß war, sprang er mehrmals nicht nur auf die Absperrung, sondern gleich in die Menge hinein. Das da mal das Mikro beinah abhanden kam, störte niemanden. Der Spaß den die Band beim Auftritt hatte, sprang schnell auf´s Publikum über und allenthalben waren grinsende Mienen auszumachen.

CAPTAIN PLANET wurden im Anschluss zwecks Essenfassen ausgelassen, so dass der Spaß anschließend mit den Wahnsinnigen von CALLEJON weiterging. Die konnten einen ebenfalls ziemlich mitreißenden Gig abliefern und glänzten zudem mit deutschen Texten, die im Metalcore eher selten anzutreffen sind. Die „Zombies“ jedenfalls zettelten weitere Circplits an und das Wetter wurde auch so langsam ein wenig schöner. Wo wir gerade bei schönem Wetter und Sonne sind: Die nun folgenden HIS STATUE FALLS legten ein äußerst sonniges Gemüt an den Tag und ließen die Menge zu ihrem Post-Hardcore/Trancecore Mix ordentlich tanzen. Wer bei den ersten Tönen noch versucht war das ganze als Nintendo Mucke oder ähnliches abzutun, der wird recht schnell gemerkt haben, dass der Spaß, den Jungs auf der Bühne haben, auch ganz schnell im Publikum landet. Auch dem HSF Sänger war´s auf der Bühne allerin zu öde und er sang einige Songs hautnah vor den Fans, die ordentlich mitgingen. Cooler Auftritt!

Soilwork
Soilwork

Nach all den corigen Bands, war es nun wieder an der Zeit die Metaller des Festivals zu bespaßen und dazu hatten man die Schweden SOILWORK angeheuert. Mit Sicherheit neben BLACK LABEL SOCIETY und SEPULTURA, neben weiteren Bands eine der dienstältesten Combos des Festivals. Schade nur, dass die Spezies Metaller, im Sinne von langhaarig, headbangend etc. recht wenig vertreten war, so dass SOILWORK sich doch ordentlich ins Zeug legen mussten. Leider waren zu Beginn und auch später noch über weite Strecken, die vocals schlecht zu hören, so dass der Sound nicht unbedingt hilfreich war. Dennoch wussten die Schweden mit ihrem melodischen Todesblei zu überzeugen und ich für meinen Teil war froh wieder ein wenig Metal hören zu können.

Mit alten Bands hatten es die meisten Festivalbesucher scheinbar wirklich nicht so, denn auch zu den im Anschluss auftretenden U.S. BOMBS, die sicherlich zu den „Opas“ des Festival Line-Ups gehörten, trudelten nur wenige Zuschauer auf dem Gelände ein. Hier zeigte sich allerdings auch wieder, dass sich weder die Band den Spaß nehmen ließ, noch die wenigen Zuschauer, die zum oldschooligen Punk vor der Bühne tanzten. Der starke Oldschool Einschlag in der Musik verhinderte es wohl auch, dass im Laufe des Konzerts noch mehr Zuhörer hinzustießen.

Ganz anders sah es da dann schon wieder bei den Brasilianern von SEPULTURA aus, die als Urgesteine scheinbar trotzdem die Brücke zwischen jüngeren Fans, die eher dem Core zugetan waren und den eigefleischten Metalfans, schlagen konnten. Hier wurde es nämlich doch wieder voll vor der Bühne und spätestens bei Stücken wie „Roots Bloody Roots“, die einfach Jeder schon mal irgendwo gehört hatte und folglich mitgröhlen konnte, war die Party in vollem Gange. Auch Stücke des aktuellen Albums „Kairos“ kamen natürlich nicht zu kurz, und Fans, die dieses Album bereits kannten, gab es, gemessen an den Reaktionen wohl auch zu Genüge. Das Einzige, worüber man bei diesem Gig meckern könnte, war der Rauch, der stetig auf die Bühne geblasen wurde, der war für einen Fotografen wirklich nervig!

Black Dahlia Murder
Black Dahlia Murder

SEPULTURA hatten also ordentlich vorgelegt und BLACK DAHLIA MURDER sollten dieses Niveau im Anschluss halten und wenn irgendwie möglich am Besten gleich noch einen draulegen. Energiegeladenen wie immer stürmte Fronter Trevor Strnad nach vorne und heizte die Menge, wild mit beiden Armen fuchtelnd, immer wieder auf´s neue an. Man kommt einfach nicht umhin über diesen Feuereifer zu schmunzeln. Neben wildem Gefuchtele blitzt zudem noch fortwährend ein fröhliches Grinsen im Gesicht des Fronters auf und das zeigt, wie viel Spaß die Truppe hat. Einen etwas größeren Circlepit gab´s obendrein und das konnte dann auch gleich als Vorbereitung auf das grandiose Finale des Festivals dienen.

Finale? Ja, es war kaum zu glauben, aber der zweite Festivaltag war mit riesigen Schritten auf´s Ende zugegangen und plötzlich war es auch schon Zeit für den Headliner des Abends: HEAVEN SHALL BURN. Es wurde noch einmal dunkel, die Spannung stieg und der Platz vor der Bühne war mehr als ordentlich gefüllt. „The Weapon They Fear“ ertönte und die Menge ging steil. Es hatte beinah schon den Anschein, als hätte sich ein Großteil der Fans alle Energien für diesen Gig aufgespart, denn was hier plötzlich an fliegenden Mähnen und Circplepits auszumachen war, war nicht von schlechten Eltern. Sänger Marcus tat kund, dass er von den Reaktionen des Publikums überwältigt war und ähnlich schien es wohl auch allen Fans zu gehen. HSB untermauerten wieder einmal, dass sie zu einer der besten deutschen Livebands gehören und logischerweise durften weder die überdimensionale Wall of Death („Voice of the Voiceless“, noch der fette Circlepit (der erst gestartet werden musste, ehe die Band zu spielen begann – „Ihr bietet uns was an und wenn´s uns gefällt, spielen wir die passende Musik dazu“, so Fronter Markus) um den Soundturm fehlen. Irgendwo schien in der Menge wohl ein Zuschauer in einem Hasenkostüm umherzurennen, der dem Sänger gerade recht kam, denn er befahl Menge dem Hasenkostüm hinterherzurennen. An einem Punkt während des Gigs war plötzlich der Bassist von der Bühne verschwunden, der es, man weiß nicht genau wie, geschafft hatte, sich eine Platzwunde zuzuziehen. Die Bands zockte also ein Lied ohne Basser weiter, bis dieser wieder zurück war und gleich wieder mit rotierender Matte loslegte, als ob nichts passiert wäre. Das nenne ich Einsatz! Mit „Voice Of The Voiceless“ wurde zweifellos der fetteste Gig des gesamten Wochenendes beendet. Keine Zweifel, dass die Jungs diesen Headlinerstatus zu Recht innehatten. Obendrauf gab´s noch eine fette Ladung Papierschnipsel, die Menge tobte, die Band war platt, grinste aber glücklich, sauber!

Heaven Shall Burn
Heaven Shall Burn

Fazit:

Bandauswahl: Tolle Mischung bei der etablierte Acts für ordentlich Stimmung gesorgt haben, aber auch kleinere Bands, dank der Monster Zelt Stage nicht zu kurz kamen. Der Sound war bis auf wenige Ausrutscher (Soilwork) ordentlich, die Preise waren ebenfalls halbwegs im erträglichen (Festival)rahmen und die Security immer gut aufgelegt – da hat man gesehen, dass die Arbeit trotz Schei* Wetter Spaß machte, Daumen hoch! Kurzum war´s eine tolle Party, bei der sich eigentlich nur der Wettergott geweigert hat mitzuspielen. Na, vielleicht beim nächsten Mal! Dann unter neuem Namen, in der hoffentlich immer noch so relaxten Atmosphäre mit tollen Bands!

Text/fotos: Cornelia Wickel

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